industrielles erbe modern gestalten

Die Schleiferei Zwei ist mehr als ein Ort zum Wohnen auf Zeit. Sie ist das Ergebnis einer architektonischen Auseinandersetzung mit einem industriellen Bestand, der über Jahrzehnte gewachsen ist und nach langer Phase des Leerstands eine neue Perspektive erhalten hat. Ausgangspunkt der Transformation war nicht ein festgelegtes Nutzungskonzept, sondern die Frage, wie sich ein historischer Ort weiterentwickeln lässt, ohne seine Identität zu verlieren.

Der Harz ist seit jeher von Landschaft, Arbeit und Geschichte geprägt. Die Revitalisierung der Schleiferei Zwei versteht sich als Versuch, ein Stück dieser industriellen Vergangenheit weiterzudenken – einen Ort zu bewahren, der der lokalen Gemeinschaft etwas zurückgibt und zugleich neue Perspektiven auf das Leben und Arbeiten im ländlichen Raum eröffnet.

Architektur und Materialien

Bestehende Raumstrukturen, wie die Industriehalle mit Kranbahn, Büttenraum und Pappmaschinen, Werkswohnungen und die Turbinenhalle wurden weitestgehend erhalten und weitergebaut. Die bestehenden Tragwerke und Materialien wie Stahl, Holz und Stein bilden die Grundlage aller Eingriffe, die Fassaden wurden denkmalgerecht aufgearbeitet. Neue Elemente treten bewusst zurück und ergänzen den Bestand, statt ihn zu überformen.

Bauen im Bestand

Die Schleiferei Zwei wurde zwischen 2021 und 2023 bestandserhaltend revitalisiert. Ziel war es, möglichst viel der vorhandenen Substanz zu bewahren und gleichzeitig zeitgemäße Räume zu schaffen. Großzügige Raumhöhen, industrielle Proportionen und technische Relikte prägen bis heute die Atmosphäre des Ensembles.

Die Transformation folgte keinem radikalen Umbau, sondern einer schrittweisen Entwicklung: sichern, freilegen, ergänzen. Zunächst wurde die Gebäudehülle stabilisiert – Dachflächen wurden instandgesetzt, Fenster ergänzt und die Fassaden energetisch ertüchtigt, um den Verfall über einen weiteren Winter zu stoppen. Anschließend wurde der Innenraum gemeinsam mit regionalen Handwerksbetrieben behutsam aufgearbeitet. Dadurch bleibt die Geschichte des Ortes ablesbar und Teil der räumlichen Erfahrung.

Denkmalschutz

Das Hauptgebäude sowie die historischen Turbinen stehen unter Denkmalschutz. Die Sanierung – insbesondere des äußeren Erscheinungsbildes – erfolgte in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden und orientierte sich am respektvollen Umgang mit der bestehenden Substanz.

Statt einer musealen Rekonstruktion wurde im Innenraum ein Ansatz gewählt, der historische Elemente bewahrt und gleichzeitig neue Nutzungen zulässt. Ergänzungen bleiben bewusst zeitgenössisch, sodass Alt und Neu unterscheidbar bleiben, ohne in Konkurrenz zu treten.

Nachhaltigkeit und graue Energie

Der wichtigste Nachhaltigkeitsaspekt der Schleiferei Zwei liegt im Erhalt des Bestands, da durch das Weiterbauen ein großer Teil der im Gebäude gebundenen grauen Energie erhalten werden konnte. Ergänzende Maßnahmen wie bauphysikalische Verbesserungen, wassersparende Armaturen, Wärmepumpe und Photovoltaik unterstützen eine langfristig ressourcenschonende Nutzung.

Auch im Innenausbau spielt Wiederverwendung eine zentrale Rolle: historische Materialien, aufgearbeitete Möbel und vorhandene Bauteile wurden bewusst integriert, um den Ressourcenverbrauch zu reduzieren und die Geschichte des Ortes sichtbar zu halten.

Nutzung und gemeinschaftlicher Raum

Heute verbindet die Schleiferei Zwei unterschiedliche Formen des Aufenthalts – Rückzug und Austausch, Wohnen und Arbeiten, Ruhe und gemeinschaftliche Nutzung. Ehemalige Produktionsräume dienen heute als offene Räume für kulturelle Formate, Workshops oder Begegnungen.

Damit versteht sich die Schleiferei Zwei nicht nur als revitalisiertes Industriedenkmal, sondern auch als Beispiel dafür, wie historische Bausubstanz im ländlichen Raum neue soziale Funktionen übernehmen kann.

Schleiferei Zwei
An der Sieber 1
37412 Herzberg, Sieber
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